Nirgendwo steht geschrieben, dass Rennwagen nicht auch im Winter gefahren werden können. Aber auch diese Hightech-Boliden können die Fahrphysik auf verschneiten oder vereisten Straßen nicht außer Kraft setzen. In diesen Fällen gilt für rennerprobte Fahrer: »Schuster, bleib bei deinen Leisten.« Mag sich das Fahrrisiko auf einer abgesperrten Rennstrecke im Winter noch weitgehend reduzieren lassen, gelten für PS-starke Boliden auf normalen Straßen die gleichen Vorschriften wie für alle anderen Verkehrsteilnehmer auch. Gemeint ist damit die Einhaltung der Winterreifen- und Schneekettenpflicht.

Schneeketten sind verantwortlich für genügend Grip auf verschneiten Straßen

In winterlichen Gebirgsregionen kann es jederzeit sein, dass der Fahrer eines straßenzugelassenen Rennwagens bzw. Sportwagens auf das Verkehrsschild 268 der Straßenverkehrsordnung trifft. Das rund blaue Hinweisschild mit einem Schneekettensymbol zwingt ihn spätestens dann zum Handeln, er darf ohne die Schneehilfen seine Fahrt nicht mehr fortsetzen. Würde dies von der Polizei kontrolliert, riskiert er zumindest ein Verwarnungsgeld.

Auf welche Reifen müssen die Schneeketten aber aufgezogen sein? Der Gesetzgeber gibt die Richtung vor: Grundsätzlich auf den Reifen der Antriebsachse, was auch für allradgetriebene Sportwagen gilt. Um die Frage für das eigene Fahrzeug zu beantworten, empfiehlt sich ein Blick in die Bedienungsanleitung. Daraus kann hervorgehen, alle vier Reifen mit Schneeketten auszurüsten.

Dass bei einem Rennboliden besondere Bedingungen vorherrschen, hat etwas mit ihrer Bauart zu tun. Spezielle Breit- oder Niederquerschnittsreifen füllen die Radhäuser vollformatig aus, weshalb die Wahl der Winterreifen ohne die Beachtung der Herstellerhinweise relativ schwer sein dürfte. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass der Gesetzgeber eine Maximalgröße nennt, damit die Pneus sowie die Schneeketten genau zueinanderpassen.

Apropos Winterreifen: Die müssen auch bei einem Rennfahrzeug auf das M + S-Symbol verzichten, stattdessen das Alpine-Logo tragen, was sich an einem Bergpiktogramm mit einer stilisierten Schneeflocke erkennen lässt. Rechtliche Basis dafür ist die Regelung Nr. 117 UNECE, der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen. Verstöße gegen diese Verordnung werden gleich doppelt bestraft. 60 Euro und einen Punkt in Flensburg muss der Fahrer zahlen. Gibt es unterschiedliche Fahrer und Halter, wird letzterer mit 75 Euro zur Kasse gebeten und auch er erhält einen Flensburg-Punkt obendrauf. Nach wie vor gibt es jedoch keine generelle, sondern nur eine sogenannte „situative Winterreifenpflicht“.

Schneeketten ohne Haken und Ösen

Die Produzenten innovativer Schneekettensysteme haben ihre Hausaufgaben gemacht. Auf dem Markt finden sich speziell entwickelte Ketten mit extrem flacher Bauweise für Fahrzeuge mit sehr engen Radkästen. Sie besitzen weder Haken noch Ösen, lassen sich schnell montieren und die Spannung der Schneeketten erfolgt automatisch. Sinnvoll gelöst ist auch die automatische Zentrierung auf dem Winterreifen, garantiert wird ein sehr hoher Grip sowie eine entsprechend hohe Traktion – beides sind gute Voraussetzungen bei Rennboliden. Die Langlebigkeit wird sichergestellt durch besondere Materialien, etwa gehärtetem Stahl, der zusätzlich galvanisiert wird. Da erscheint es gerechtfertigt, dass diese Systeme preislich in der Spitzenklasse spielen. Getan hat sich auch etwas bei der Demontage der Ketten, die auf Knopfdruck möglich ist.

Wichtige Utensilien unterstützen die Montage der Schneeketten

Muss der Fahrer eines Rennwagens bei winterlichen Straßenverhältnissen oder beim Auftauchen des entsprechenden Verkehrszeichens seine Reifen mit Schneeketten versehen, ist er bestimmt froh über eine wärmende Jacke sowie Handschuhe. Das Tragen einer gelben Warnweste zum eigenen Schutz, und als Hinweis anderer Verkehrsteilnehmer, ist allerdings verpflichtend. Ein Handbesen hilft, die Reifen vor der Montage der Ketten von Schnee und Eis zu befreien. Und für gute Sichtverhältnisse bei Dunkelheit sorgt eine Stirnlampe, sodass die Hände für die Montagearbeiten frei bleiben können. Ergänzend dazu kann ein Warndreieck aufgestellt werden und ein Pflaster aus dem Erste-Hilfe-Koffer ist gut bei kleineren Verletzungen. Fehlt am Schluss noch eine isolierende Decke, um nicht im nassen Schnee oder auf Eis kniend arbeiten zu müssen.